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Mehrfamilienhaus kaufen in Berlin: Worauf Anleger achten sollten

Von Justus Großpietsch Veröffentlicht am Aktualisiert am 3 Min. Lesezeit

Faktor, Mietrendite, Instandhaltung, Milieuschutz: die Kennzahlen und Fallstricke hinter einem guten Zinshaus-Kauf.

Reihe historischer Altbaufassaden mit Straßenlaterne im Vordergrund

Ein Mehrfamilienhaus, in Berlin traditionell „Zinshaus”, ist kein Wohnungskauf im Großformat, sondern ein kleines Unternehmen: mit Einnahmen, Kosten, Verträgen und Pflichten. Wer die richtigen Kennzahlen kennt, trennt gute Angebote schnell von teuren.

Die zwei Kennzahlen, mit denen alles beginnt

  • Faktor (Vervielfältiger): Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete. Er macht Objekte vergleichbar, ein hoher Faktor bedeutet, dass viele Jahresmieten nötig sind, um den Kaufpreis zu erreichen.
  • Bruttomietrendite: Der Kehrwert des Faktors, Jahresnettokaltmiete geteilt durch Kaufpreis. Sie ist eine erste Orientierung, nicht mehr: Bewirtschaftung, Instandhaltung und Leerstand sind darin noch nicht enthalten.

Gutachter und Banken gehen noch einen Schritt weiter und ermitteln den Wert nach dem Ertragswertverfahren. Wie diese Wertermittlung für ein Mehrfamilienhaus in Berlin abläuft, mit Beispielrechnung, zeigt unsere Seite Zinshaus und Mehrfamilienhaus verkaufen.

Ein Rechenbeispiel

Ein Haus mit acht Wohnungen, 96.000 € Jahresnettokaltmiete und einem Kaufpreis von 2,4 Mio. €. Die Zahlen sind ausgedacht und bewusst rund, die Rechnung ist echt:

Posten Betrag
Kaufpreis 2.400.000 €
Jahresnettokaltmiete 96.000 €
Faktor (Kaufpreis ÷ Jahresmiete) 25
Bruttomietrendite (Jahresmiete ÷ Kaufpreis) 4,0 %
Grunderwerbsteuer Berlin (6 %) plus Notar und Grundbuch ca. 192.000 €
Nicht umlegbare Kosten, hier angenommen 15 % der Miete 14.400 €
Nettomietrendite (81.600 € ÷ 2.592.000 €) ca. 3,1 %

Aus 4 % im Exposé werden so gut 3 %, noch vor Finanzierung, Steuern und Leerstand. Genau diese Lücke unterschätzen viele Erstkäufer. Wie Gutachter und Banken ein solches Haus über den Ertrag bewerten, erklärt der Beitrag zu den drei Bewertungsverfahren.

Entscheidend ist deshalb der Blick auf die Ist-Mieten im Verhältnis zur ortsüblichen Miete: Ein Haus mit niedrigen Bestandsmieten kann langfristig Potenzial haben, bringt aber zunächst wenig Ertrag, und Mieterhöhungen sind eng geregelt.

Was im Datenraum stehen muss

Vor jedem Angebot gehören auf den Tisch: aktuelle Mietaufstellung mit Vertragsdaten, Betriebskostenabrechnungen, Teilungserklärung (falls geteilt), Versicherungen, Wartungsverträge und ein ehrlicher Blick auf den Instandhaltungsstau: Dach, Fassade, Stränge, Heizung. Ein niedriger Kaufpreis nützt wenig, wenn die Sanierung ihn wieder auffrisst.

Berliner Besonderheit: Milieuschutz

In vielen Berliner Kiezen gelten soziale Erhaltungsgebiete (Milieuschutz): Dort sind Umwandlung in Eigentumswohnungen und bestimmte Modernisierungen genehmigungspflichtig, teils übt der Bezirk Vorkaufsrechte aus. Ob ein Objekt in einem solchen Gebiet liegt, sollte vor dem Angebot geklärt sein, es verändert die Strategie erheblich.

Der Ablauf in fünf Schritten

  1. Budget und Finanzierung klären. Mit einer Finanzierungsbestätigung verhandeln Sie anders und können schnell zusagen.
  2. Suchprofil festlegen. Lage, Größe, Faktor, Zustand: Je klarer das Profil, desto eher kommen passende Objekte, auch abseits der Portale.
  3. Zahlen prüfen. Mietaufstellung, Kosten, Instandhaltung und Milieuschutz, bevor ein Angebot rausgeht.
  4. Besichtigen und verhandeln. Den Preis aus dem Ertrag herleiten, nicht aus dem Exposé.
  5. Kaufvertrag und Notar. Mietverträge, Kautionen und laufende Abrechnungen sauber übergeben lassen.

Fazit

Ein gutes Zinshaus erkennt man nicht am Exposé, sondern an den Zahlen dahinter. Wir begleiten Anleger von der Prüfung bis zur Beurkundung, und nehmen Suchaufträge für Anlageobjekte in Berlin und Brandenburg auf. Aktuelle Angebote finden Sie unter Immobilien.

Sie wollen ein Mehrfamilienhaus oder Zinshaus verkaufen statt kaufen? Wie wir Anlageobjekte vermarkten, auch diskret ohne Portal, steht unter Anlageimmobilien.

Quellen

Häufige Fragen

Welcher Kaufpreisfaktor ist für ein Mehrfamilienhaus in Berlin üblich?

Das hängt stark von Lage, Baujahr, Zustand und Mietniveau ab. In gefragten Innenstadtlagen zahlen Käufer deutlich mehr Jahresmieten als am Stadtrand oder bei Häusern mit Sanierungsbedarf. Der Gutachterausschuss veröffentlicht dazu Liegenschaftszinssätze und Ertragsfaktoren im Immobilienmarktbericht. Für eine konkrete Adresse nennen wir Ihnen die Spanne aus aktuellen Abschlüssen.

Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?

Die Bruttomietrendite ist die Jahresnettokaltmiete geteilt durch den Kaufpreis. Die Nettomietrendite rechnet die Kaufnebenkosten zum Kaufpreis hinzu und zieht von der Miete die Kosten ab, die Sie nicht auf die Mieter umlegen können, etwa Verwaltung und Instandhaltung. Erst sie zeigt, was wirklich übrig bleibt.

Welche Kaufnebenkosten fallen in Berlin an?

Die Grunderwerbsteuer beträgt in Berlin 6 Prozent des Kaufpreises. Dazu kommen Notar und Grundbuch und, wenn ein Makler beteiligt ist, dessen Provision laut Vereinbarung. Banken finanzieren die Nebenkosten in der Regel nicht mit, sie gehören ins Eigenkapital.

Was ist ein Zinshaus?

Zinshaus ist der traditionelle Name für ein Mehrfamilienhaus, das zur Vermietung gebaut wurde. „Zins“ bedeutete früher schlicht Miete. Heute steht der Begriff meist für Altbau-Mehrfamilienhäuser als Kapitalanlage.

Darf ich in einem Milieuschutzgebiet Wohnungen aufteilen?

Nur mit Genehmigung, und die wird in Berlin selten erteilt. Umwandlung in Eigentumswohnungen und viele Modernisierungen sind in sozialen Erhaltungsgebieten genehmigungspflichtig. Wer mit einer späteren Aufteilung rechnet, sollte das vor dem Kauf klären.

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